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Yingzhaoquan - Der Adler Stil

 

Das Yingzhaoquan gehört zur Gruppe der traditionellen Tierimitationsstile. Der Stil vereint die wesentlichen Kampfmerkmale des Adlers, wie Greifen, Reißen, Kratzen, ruhiges Abwarten und blitzschnelles Angreifen, mit den traditionellen Boxtechniken. Da das Yingzhaoquan eine Mischung aus dem Yuequan und dem Fanziquan ist, wird der Stil auch oft als Yingzhaofanziquan bezeichnet. Die ursprüngliche Variante des Stiles wird dem berühmten General Yue Fei aus der Song Dynastie zugesprochen. Doch genaueres ist nicht bekannt.

 

Erst über den Mönch Li Quan gibt es genauere Aufzeichnungen. Er war es, der den Stil weiter kombinierte. Li Quan war ursprünglich ein Schüler des Fanziquan gewesen. Er erlernte jedoch, um sein Wissen zu vermehren, den Urstil der Adlerfaust und mischte ihn mit dem Fanziquan. Li Quan gab den Stil an einen anderen Mönch, Namens Fa Cheng, weiter. Cheng trainierte und verfeinerte wiederum diesen Stil und gab ihn dann später an Liu Shijun weiter. Dieser Liu Shijun war ein armer Tabackverkäufer, der Abends im Hof seinen eigenen Kampfstil trainierte. Als der Mönch Fa Cheng wieder einmal auf Reisen war, kam er eines Abends an dem Hof von Liu Shijun vorbei. Als er die Trainingsgeräusche hörte, blieb er stehen und beobachtete das Training. Nachdem Liu seine Übungen beendet hatte, sprach Fa Cheng ihn an. Er sagte zu ihm, dass seine Übungen sehr gut zur körperlichen Gesunderhaltung wären, jedoch im Kampf gegen einen Gegner nicht viel taugen würden. Daraufhin forderte Liu den Mönch auf, mit ihm einen kleinen Wettkampf zu wagen. In der Gewißheit zu gewinnen führte Liu drei schwere Angriffe durch, welche jedoch von dem Mönch mit Leichtigkeit abgewehrt wurden. Als Liu, nun schon leicht verärgert, seinen vierten Angriff führte, fing der Mönch mit einer Adlertechnik sein Handgelenk. Liu wollte ihn abschütteln, was jedoch nicht gelang. Der Mönch machte eine schnelle Drehung und griff einen Akkupunkturpunkt auf Liu`s Rücken, woraufhin sich Schmerzen in seinem Körper ausbreiteten und er wie gelähmt zu Boden fiel. Liu gab sich geschlagen und bat den Mönch, welcher ganz offensichtlich ein Meister der Kampfkunst war, ihn zu unterrichten. Der Mönch willigte ein und unterwies Liu im Yingzhaoquan und seinen Geheimnissen. Nach einigen Jahren verließ Liu seinen Lehrer um allein weiterzuziehen und andere Boxstile zu erlernen. Als er in Beijing in der kaiserlichen Garde als Ausbilder in den Kampfkünsten diente, unterrichtete er einige junge Schüler, unter anderem auch seinen Neffen Liu Chengyou, der den Stil dann später in Nord – Ost China, Shanghai und Guangzhou verbreitete.

 

Der Adlerstil besteht aus sehr kompakten und kraftvollen Techniken. In der Aktion sind die Bewegungen sehr unnachgiebig und aggressiv. Wenn der Kämpfer jedoch still steht, dann sieht er aus wie ein Adler, der auf den richtigen Moment wartet einen Hasen zu fangen. Die nördliche Schule benutz kurze und sparsame Attacken, welche sehr ästhetisch sind. Die südliche Schule dagegen ist kompakter und akrobatischer in der Technik. Sehr charakteristisch für den Adlerstil sind die Adlerklauentechniken, das Schwingen und Flattern mit den Armen, als wären es Flügel und das Imitieren des Kreisens in der Luft. Der Stil ist sehr spektakulär. In einem Moment springt der Kämpfer hoch in die Luft, um sich im nächsten Moment wieder in tiefen Stellungen zu bewegen. Mal rennt er schnell und im nächsten Augenblick steht er still wie ein Baum. Das ist der Adlerstil.